Montag, 13. Mai 2013

Du sollst dir kein Bildnis machen



Folgenden Text veröffentlichte Max Frisch in seinen Tagebüchern. Gestern habe ich ihn in  meiner Predigt zum zweite Gebot zitiert:

Du sollst Dir kein Bildnis machen
Es ist bemerkenswert, dass wir gerade von dem Menschen, den wir lieben, am mindesten aussagen kön­nen, wie er sei. Wir lieben ihn einfach. Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie uns in der Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, einem Menschen zu folgen in allen seinen möglichen Entfaltungen. Wir wissen, dass jeder Mensch, wenn man ihn liebt, sich wie verwandelt fühlt, wie entfaltet, und dass auch dem Liebenden sich alles entfaltet, das Nächste, das lange Bekannte. Vieles sieht er wie zum ersten Male. Die Liebe befreit es aus jeglichem Bildnis. Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass wir mit den Menschen, die wir lieben, nicht fertig ­werden: weil wir sie lieben; solang wir sie lieben. Man höre bloß die Dichter, wenn sie lieben; sie tappen nach Vergleichen, als wären sie betrunken, sie grei­fen nach allen Dingen im All, nach Blumen und Tieren, nach Wolken, nach Sternen und Meeren. Warum? So wie das All, wie Gottes unerschöpfliche Geräumigkeit, schrankenlos, alles Möglichen voll, aller Geheimnisse voll, unfassbar ist der Mensch, den man liebt - Nur die Liebe erträgt ihn so.

Mittwoch, 8. Mai 2013

Bilder von dir

Da wo unsere Sprache ausgeschöpft ist, brauchen wir Bilder.
Die Kunst und die Liebe braucht diese Bilder - beide schöpfen sie. Und demnach auch der Glaube.
Der Glaube gestaltet Bilder. Gerade da, wo er in die Tiefe geht. Gott wird in unermesslich vielen Bildern in der Bibel beschrieben. Und dennoch ist das zweite der 10 Gebote ein Bilderverbots-Gebot. Wir sollen uns keine Bilder machen - weder von Gott, noch von dem, was über oder unter der Erde ist.

Paradox.

Wie so oft.

Es gibt kein Schwarz-Weiß im Glauben und Leben. Es gibt immer nur den Versuch einer Balance.
Gott festzulegen oder einen Menschen - macht Gott zum Götzen und den Menschen entweder auch zum Götzen oder zur Karikatur.

Der Glaube zerstört auch alle Festlegungen und Schubladen. Da, wo er die Freiheit Gottes oder eines Menschen beschränkt, hat der Glaube Götzen geschafft, anstatt zu lieben. Die Ausschließlichkeit der Bilder ist zerstörerisch. Auch die Wissenschaft musste lernen, dass jede Entdeckung nicht das Ende der Erkenntnis sein muss, sondern manchmal erst der Anfang.

Freitag, 26. April 2013

Gott spricht: im Kino

Neulich im Kinowerbeblock ... from godnews on Vimeo.




Danke für diesen wunderbaren Film...
http://www.gottspricht.com/kinospot.php


Selber Glauben

Am Sonntag war unser Jugendgottesdienst, den die Teenies komplett selbst gestaltet haben. Es war so unfassbar genial. Ich war tief beeindruckt  - und schon lange nicht mehr soo nervös.
Mir war es wichtig, dass es für alle eine gute Erfahrung wird. Denn mehr als alles andere, prägen die persönlichen Einsätze den Glauben. Es ist das eine, sich berieseln zu lassen, etwas zu hören, oder auch einfach nur über etwas zu reden. Etwas ganz anderes, ist es sich zu riskieren, etwas zu wagen, mutige Schritte zu gehen, Herausforderungen auf sich zu nehmen.

Es war so bunt und kreativ. Genial.

Tolle Moderatoren, klasse Band, super Prediger, tolles Anspiel, spannende Interviews, super geniale, kreative Flyer, wahnsinnig tolle Zeichnungen - als Untermalung zur Predigt. (...)

Nochmal bitte.
Noch mehr Erfahrungen.
Noch mehr es wagen, sich rein zugeben.
Selber glauben - das macht den Glauben aus. (gilt im übrigen auch für Erwachsene und nicht nur für Jugendliche)

Dienstag, 16. April 2013

Alin Coen "Ich war hier"

Alin Coen ist eine wunderbare Sängerin und Songwriterin..., ich kenne einige ihrer Lieder seit ein paar Jahren. Und hin und wieder berührt mich eines für eine länger Zeit.
Dieses zum Beispiel.
Ihre Musik verzaubert einen. Ich liebe tiefgehende Texte. Und ihre Ausstrahlung. Sich angelächelt zu fühlen, macht einfach gute Stimmung.




Freitag, 12. April 2013

das Leben geschenkt bekommen und es meistern

Am Mittwoch haben wir uns in unserer Bibelstunde mit "geistlichen Übungen" beschäftigt. Also auch mit Formen von Spiritualität. Wir haben darüber gesprochen (ähnlich wie im Post vorher), dass es kaum machbar ist, Gott zu begegnen, sondern immer ein Geschenk. Bringen also all die "geistlichen Übungen" nichts? Überhaupt - darf Glaube etwas bringen? Ist das sein Ziel?

Am Sonntag werden wir im Gottesdienst ein kleines Mädchen segnen. Wir segnen in unseren Gemeinde Kinder, um ihnen Gottes Kraft und Liebe zu zusprechen,  um Gottes Namen auf sie zu legen. Wir segnen auch einander und werden Sonntag für Sonntag unter Gottes Segen gestellt. Der Segen ist etwas passives - auch ein Geschenk. Wir sprechen ihn einander zu, damit wir das Leben meistern. Wie viel haben wir nicht in der Hand, können es nicht handhabbar machen unser Leben. Und dennoch glauben wir doch, dass wir unser Leben meistern. Es ist ein Geschenk und ein Auftrag. Wir sind aktiv.
Auch zum Segen gehört dazu, dass er weiter fließt. Früher von Generation zu Generation. Segen wird sichtbar, wenn er weitergegeben wird. Im alten aaronitschen Segen wird das so beschrieben: "Und der Herr redet mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Kindern Israel, wenn ihr sie segnet: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über dir und gebe dir Frieden." (4. Mose 6,22ff)
Ein Segensauftrag wird weitergegeben....Gott sagts Mose, der soll es Aaron und seinen Söhnen weitergeben, und die sollen es dem Volk sagen. Es fließt von einem zum nächstes, er bleibt nicht bei sich. Segen ist wie die Liebe, beide drücken sich im Verschenken aus. Beide sind zunächst passiv und dann stecken sie zum aktiv werden an. Ich nehme Gottes Segen aus seiner Hand, um selbst mein Leben verantwortungsbewusst zu gestalten. Ich begegne Gott und öffne mich für sein Handeln und gleichzeitig übe ich den Glaube ein, lerne aufmerksam zu sein, wachsam, lerne zu beten und zu schweigen, vertiefe mich in sein Wort und erwarte in diesen "Übungen", dass wir einander begegnen.

Mittwoch, 10. April 2013

"Die Erotik der Gottesbeziehung"

"Die Spiritualität ist die Erotik unserer Gottesbeziehung", das habe ich von Klaus Douglass gelernt (in "Glaube hat Gründe"). Die Leidenschaft, das Feuer des Glaubens meiner Gottesbeziehung ist ein Zwischenspiel von Gott und mir. Begegnung, Näher kommen, entdecken, berührt werden - ich ahne schon, dass es nun manchen schütteln mag - zu viel Schwärmerei, zu wenig Wort.

Ich habe auch von Klaus Douglass auch gelernt (a.a.O.) "Sie (die Spiritualität) ist das, was von Kirche übrig bleibt, wenn man alles Institutionalisierte, alles äußere Gerüst einmal wegnimmt." Wie drückt sich mein Glaube aus? Sehne ich mich nach GottesERFAHRUNG? Sehne sich mich nach Gott? Sehne ich mich wenigstens danach, dass ich mich sehnen könnte?

Immer wieder lese ich von dieser Sehnsucht in den Psalmen, bswp. Psalm 63 "Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir, mein ganzer Mensch verlangt nach dir, aus trockenem, dürren Land, wo kein Wasser ist.(...) wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.(...) Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich..." Was für sehnsuchtsvolle Worte.

Gestern haben wir in unserem Gottesdienstvorbereitungsteam darüber gesprochen, wie wir leidenschaftlicher werden, ob es genug ist, ob wir mehr wollen würden, wie wir das fördern können. Und na klar, wir haben uns gefragt: Kann man das fördern? Wie viel kann man "dafür tun". Hört die Leidenschaft nicht da schon wieder auf, wo sie berechenbar wird? Wie weckt man Sehnsucht? Wie weckt man Freude?

In der Berufung von Hesekiel wird das auf eine wunderbare Weise erzählt. Dort steht (Hesekiel 2,1-2): "Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, tritt auf deine Füße, so will ich mit dir reden. Und als er so mit mir redete, kam Leben in mich und stellte mich auf meine Füße..." Zweierlei passiert dort: Das Wort geht an den Menschen, eine Aufforderung. Der Mensch hört hin. Und im Hinhören passiert etwas in ihm. Leben kam, der Geist, etwas was lebenspendend ist und hebt ihn auf seine Füße.Und da steht er dann. Erfüllt von Gott. Beteiligt und beschenkt. Zweierlei Seiten.

Der Glaube lädt uns ein, Gott zu erfahren. Zur Erfahrung gehört aber meine Beteiligung. Ich öffne mich. Ich lasse mich ein und dann beginnt eine Wandlung, die nun schon gar nichts mehr mit meinem Tun zu tun hat...ein Geschenk. Spiritualität ist die Erotik der Gottesbeziehung.... Ein schönes Bild. Komisch, warum man nicht mehr davon will?